Überblick über die mündliche Tradition in epischen, lyrischen und lyrisch-epischen Formen.

Von Worten, die aufbauen und zerstören: Grigorije Durićs neues Buch „Jedni drugima potrebni“ in Hamburg vorgestellt
In Hamburg wurde am 5. September das Buch „Jedni drugima potrebni“ (etwa: „Wir brauchen einander“) vorgestellt, eine Sammlung ausgewählter Predigten des serbisch-orthodoxen Metropoliten von Deutschland Grigorije Durić, die im Januar 2026 im Belgrader Verlag Laguna erschienen ist. Veranstalter war die Serbisch-Orthodoxe Kirchengemeinde Hamburg; neben dem Autor sprachen die Lektorin des Buches, Danijela Jelić, und Erzpriester-Stavrophor Siniša Vujasinović, der den Abend moderierte.
Der Band versammelt dreißig Predigten aus mehr als zweieinhalb Jahrzehnten, von der Antrittspredigt anlässlich seiner Weihe zum Vikarbischof im Kloster Tvrdoš am 5. Juni 1999 bis zu jener Ansprache, mit der Grigorije am 11. April 2025 in München Studierende aus Serbien empfing, die auf dem Weg nach Straßburg waren. So unterschiedlich die Zeiten und Umstände waren, in denen diese Predigten gehalten wurden, verbindet sie die Frage nach dem Verhältnis zum Mitmenschen, nach Verantwortung, Glaube, Vergebung und Gemeinschaft.
Gerade das Wort war eines der zentralen Themen des Gesprächs in Hamburg. Grigorije sprach über den Menschen als ein aus Worten geschaffenes Wesen und über das christliche Verständnis des Logos. Das Wort bleibt in diesem Verständnis nicht folgenlos: Mit Worten kann man einem anderen Menschen helfen, man kann ihn damit aber auch verletzen und zerstören. Als Grigorije über die Kraft des Wortes und über die Verantwortung für das sprach, was wir sagen, sprach, bezog er sich im Laufe des Abends auch auf Danilo Kiš.
Dieses Thema ist bei einem Buch, das gerade aus Predigten besteht, kein Zufall. Die in „Jedni drugima potrebni“ versammelten Texte wurden zunächst vor konkreten Menschen, an unterschiedlichen Orten und zu unterschiedlichen Zeiten gesprochen und erhielten erst danach die Beständigkeit des geschriebenen Wortes.
Der Titel des Buches verweist auf ein weiteres Thema, das sich durch das Gespräch zog: Der Mensch existiert nicht losgelöst von anderen. Die Begegnung mit dem anderen, auch mit demjenigen, der anders denkt, glaubt oder lebt, ist nicht nur eine Frage der Toleranz, sondern eine Art und Weise, wie der Mensch sein eigenes Verhältnis zur Welt bestimmt.
Grigorije Durić wurde 1967 in Vareš in Bosnien geboren. Seit 2018 steht er an der Spitze der serbisch-orthodoxen Diözese in Deutschland, seit 2024 trägt er den Titel eines Metropoliten. Er ist Autor mehrerer Prosabände, darunter „Preko praga“, „Nebeska dvorišta“ und „Stranac u šumi“. Für den Erzählband „Preko praga“ erhielt er 2017 den Literaturpreis „Kočićevo pero“. Auf Deutsch erschien 2023 bei Herder der Band „Zeugnisse der Menschlichkeit“ in der Übersetzung von Dragica Schröder.
Autorin: Snežana Lalatović
Foto: Dalibor Ivanović
Hamburg, 5. September 2026

