Überblick über die mündliche Tradition in epischen, lyrischen und lyrisch-epischen Formen.

Robert Hodel und die serbische Literatur in Deutschland: Wissenschaftliches Kolloquium in der Matica srpska
Am 17. September 2026 fand in der Matica srpska in Novi Sad eine wissenschaftliche Gesprächsrunde statt, die dem wissenschaftlichen und übersetzerischen Werk von Robert Hodel, Professor für Slawistik an der Universität Hamburg, gewidmet war. Im Mittelpunkt stand seine jahrzehntelange Auseinandersetzung mit der serbischen Literatur und deren Vermittlung an ein deutschsprachiges Lesepublikum.
Die Veranstaltung unter dem Titel „Der Beitrag Robert Hodels zur Rezeption serbischer Literatur in Deutschland“ wurde von der Matica srpska und dem Internationalen Slawistikzentrum im Rahmen der 56. Internationalen wissenschaftlichen Slawistentagung „Vukovi dani“ organisiert. Die wissenschaftliche Leitung lag bei dem Akademiemitglied Jovan Delić und Professor Boško Suvajdžić. Zur Eröffnung begrüßte Dragan Stanić, Präsident der Matica srpska, die Teilnehmenden.
In zwei Sitzungsblöcken wurden zwölf Vorträge gehalten, die unterschiedliche Aspekte von Hodels Arbeit beleuchteten. Im Mittelpunkt standen seine Interpretationen serbischer Autoren, seine Übersetzungspraxis sowie die Fragen, die sich stellen, wenn literarische Werke in eine andere Sprache und einen anderen kulturellen Kontext übertragen werden.
Zwischen Literaturwissenschaft und Übersetzung
Ein besonderer Schwerpunkt lag auf Hodels Beschäftigung mit Borisav Stanković, Ivo Andrić, Dragoslav Mihailović und Momčilo Nastasijević.
Vesna Matović untersuchte Hodels Deutung orientalischer Elemente im Werk von Borisav Stanković im Vergleich zu früheren Arbeiten von Hermann Wendel und Gerhard Gesemann. Goran Radonjić und Dragana Vukićević widmeten sich Hodels Interpretationen der Prosa von Ivo Andrić beziehungsweise Borisav Stanković.
Jelena Anđelković aus Hamburg hielt einen Vortrag mit dem Titel „Robert Hodels syntaktisches Modell: Von der narratologischen Analyse zum Schlüssel für eine erfolgreiche Rezeption der Prosa von Dragoslav Mihailović“. Ihr Beitrag verband die Analyse literarischer Erzählverfahren mit der Frage, wie sich die sprachlichen und stilistischen Eigenheiten eines Autors auch außerhalb seiner Ausgangssprache erschließen und vermitteln lassen.
Mit den Grenzen und Möglichkeiten literarischer Übersetzung beschäftigte sich auch Nedeljka Bjelanović in ihrem Vortrag „Die Herausforderungen des Unübersetzbaren: Hodels Übersetzungen von Nastasijević“. Die Frage der Übersetzbarkeit stellt sich bei einem Dichter wie Momčilo Nastasijević in besonderer Weise, da seine poetische Sprache eng mit Klang, Rhythmus und den Bedeutungsschichten seiner Muttersprache verbunden ist.
Mina Đurić befasste sich mit dem rezeptions- und intermedialitätsorientierten Ansatz in Hodels Erforschung der serbischen Literatur. Weitere Beiträge behandelten seine Auseinandersetzung mit der Literatur der Zwischenkriegszeit, seine Interpretationen der Prosa Stankovićs sowie seine Mitwirkung an den wissenschaftlichen Tagungen des Internationalen Slawistikzentrums.
Literatur über Sprachgrenzen hinweg
Robert Hodel lehrt seit 1997 Slawistik an der Universität Hamburg. Seine Arbeit verbindet universitäre Lehre, literaturwissenschaftliche Forschung und die Übersetzung serbischer Literatur ins Deutsche.
Zu seinen neueren Veröffentlichungen zählen Studien über Dragoslav Mihailović, Borisav Stanković und Ivo Andrić. Für das deutschsprachige Lesepublikum sind insbesondere seine Übersetzungen und Editionen serbischer Autoren von Bedeutung, darunter Erzählungen vom Balkan von Borisav Stanković und Der sechste Tag von Rastko Petrović.
Diese Arbeit geht weit über die Suche nach sprachlichen Entsprechungen hinaus. Sie erfordert zugleich eine Auseinandersetzung mit dem literarischen, historischen und kulturellen Kontext, in dem ein Werk entstanden ist. Gerade in der Verbindung von philologischer Forschung und übersetzerischer Praxis liegt ein wesentlicher Aspekt von Hodels Beitrag zur Vermittlung serbischer Literatur.
Das Kolloquium in Novi Sad verdeutlichte, wie vielfältig die wissenschaftlichen Fragestellungen sind, die Hodels Werk eröffnet – von Syntax und Erzählverfahren über Rezeptionsgeschichte und Literaturgeschichtsschreibung bis hin zu den Möglichkeiten und Grenzen literarischer Übersetzung.
Zum Abschluss der Veranstaltung wandte sich Robert Hodel selbst an die Teilnehmenden. Anschließend fand eine Diskussion statt.
Weitere Vorträge von Hodel und Anđelković in Belgrad
Am folgenden Tag, dem 18. September, beteiligten sich Robert Hodel und Jelena Anđelković auch am regulären wissenschaftlichen Programm der 56. Internationalen Slawistentagung „Vukovi dani“ an der Philologischen Fakultät der Universität Belgrad.
Robert Hodel sprach über Meša Selimovićs kurzen Roman Magla i mjesečina („Nebel und Mondschein“) und die Verdichtung unterschiedlicher Erzählperspektiven. Sein Vortrag trug den Titel „Über Selimovićs kurzen Roman Magla i mjesečina – Verdichtung der Perspektiven“.
Jelena Anđelković widmete sich in ihrem Vortrag „Das Epigraph als poetologischer Kern: Die mittelalterliche Aufzeichnung als Mikroform und ontologischer Schlüssel zur Prosa von Dragoslav Mihailović“ dem Verhältnis zwischen mittelalterlichen Textformen und Mihailovićs Prosa.
Beide Vorträge fanden im Rahmen eigenständiger wissenschaftlicher Sitzungen statt und waren nicht Teil des Robert Hodel gewidmeten Kolloquiums.
Quellen: Matica srpska und Internationales Slawistikzentrum; offizielles Programm der Gesprächsrunde „Der Beitrag Robert Hodels zur Rezeption serbischer Literatur in Deutschland“; Programm der 56. Internationalen wissenschaftlichen Slawistentagung „Vukovi dani“ (2026).

