Überblick über die mündliche Tradition in epischen, lyrischen und lyrisch-epischen Formen.
Volksdichtung (poetischer Zweig)
Die Volksdichtung umfasst die poetischen Werke, die mündlich entstanden und überliefert wurden. In ihr spiegeln sich der kollektive Geist des Volkes, seine Gefühle, seine Fantasie und seine Weltanschauung wider. Sie gliedert sich in lyrische, epische und lyrisch-epische Lieder, die Emotionen ausdrücken, von Heldentaten erzählen und persönliches mit allgemeinem Erleben verbinden.
Volkslyrische Lieder
Volkslyrische Lieder drücken die inneren Gefühle und Erlebnisse des Menschen aus – Liebe, Trauer, Freude, Sehnsucht, familiäre Beziehungen und Bräuche. Sie sind kurz, melodisch und oft mit dem Volksleben, den Ritualen und dem Alltag verbunden. Im Mittelpunkt steht das Gefühl, nicht die Handlung.
Volkslyrisch-epische Lieder
Volkslyrisch-epische Lieder vereinen Eigenschaften der Lyrik und der Epik – sie enthalten sowohl Handlung als auch stark ausgedrückte Gefühle. Häufig überwiegt ein balladenhafter Ton, das tragische Schicksal der Helden oder das Motiv von Liebe und Opfer. Zu den bekanntesten gehören Balladen und Romanzen.
Volksepos-Lieder
Volksepos-Lieder erzählen von heldenhaften Taten, historischen Ereignissen und nationalen Helden. Sie sind im Laufe der Jahrhunderte entstanden und bewahren das Gedächtnis an die Vergangenheit sowie die moralischen Ideale der Gemeinschaft. Meist sind sie in Zehnsilbern verfasst, mit entwickelter Handlung, Dialogen und epischem Ton.

