Überblick über die mündliche Tradition in epischen, lyrischen und lyrisch-epischen Formen.

Zum Abschied von Zlatko Bocokić: Maler, Spieler, Lebenskünstler, Handke-Weggefährte – und einer meiner liebsten Freunde
Ohne Zlatko Bocokić wären viele Bücher Peter Handkes anders geschrieben worden – insbesondere jene, die Handkes „Jugoslawienwerk“ zugerechnet werden. Ich hätte ohne ihn auf eine wertvolle Freundschaft im Leben verzichten müssen. Der Lebenskünstler, Freund und Reisegefährte ist am 19. August 2026 im Alter von 73 Jahren überraschend gestorben.

In Peter Handkes Berichten über seine vielen Aufenthalte im ehemaligen Jugoslawien und in Serbien ab Mitte der 1990er-Jahre taucht Zlatko Bocokić wie auch der zweite, häufig mitgereiste Serbe, Handkes Übersetzer ins Serbische, Žarko Radaković, sehr häufig auf. In Erzählungen wie “Die morawische Nacht” (Suhrkamp 2008) ist Bocokić die zentrale Figur einer Zusammenkunft von Freunden auf einem Hausboot, das am Ufer der Velika Morawa unweit Bocokićs Heimatdorf Porodin vor Anker liegt. Doch er war mehr als nur eine literarische Erscheinung: Bocokić organisierte gemeinsame Reisen und traf Verabredungen mit Dichtern und anderen Kulturschaffenden, und sehr häufig chauffierte er die kleine oder große Reisegruppe mit seinem roten Peugeot quer durchs Land. Im April 2011 präsentierte er uns in Porodin stolz die von ihm organisierte Herausgabe der von Jan Krasni gelieferten Übersetzung des Handke-Buches „Die Kuckucke von Velika Hoča“.

Die enge Verbindung zwischen Handke und Bocokić führte auch zu vielen Treffen im familiären Kreis mit Handkes Ehefrau Sophie Semin-Handke. So waren die drei im November 1995 gemeinsam mit Radaković bei der „Winterlichen Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und Drina“ unterwegs. Zuletzt trafen sich Peter und Sophie Handke und Bocokić im Mai 2021 in Belgrad, von wo aus sie die Umgebung bereisten, nachdem der österreichische Dichter in Banja Luka mit dem „Orden der bosnischen Serbenrepublik“, in Višegrad mit dem „Ivo-Andrić-Preis“ und in Belgrad mit dem „Karadjordje-Stern“ ausgezeichnet worden war. Eine liebevolle Beziehung entwickelte Zlatko Bocokić auch zu Léocadie, der Tochter der beiden. Ein keck gezeichnetes Bocokić-Porträt der damals Zwölfjährigen ziert das Cover von Handkes Theaterstück „Untertagblues“ (Suhrkamp 2003). Vater, Tochter und Freund machten sich früher häufig im Sommer zu dritt auf den Weg, um Handkes österreichische Heimat zu bereisen.

Auch für mich war Zlatko Bocokić ein sehr wichtiger und für all Belange des Lebens immer ansprechbarer und zur Seite stehender Freund, den ich in den vergangenen 30 Jahren unzählige Male in Salzburg, Porodin, Belgrad und anderswo allein oder während gemeinsamer Begegnungen mit Peter Handke getroffen habe. Im März 1996 sahen wir uns zum ersten Mal nach Handkes Lesung aus „Eine winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und Drina oder Gerechtigkeit für Serbien“ (Suhrkamp 1996) auf der Leipziger Buchmesse. Nach medialen Angriffen gegen seinen “Friedenstext” hatte Handke sich entschlossen, an fast zwanzig unterschiedlichen Orten in West- und Osteuropa daraus vorzulesen.
Der Freundschaftsfunke zwischen Bocokić und mir zündete in Leipzig sofort; sein Humor und seine unnachahmliche Art, jugoslawische Witze zu erzählen, brachten mich bis zuletzt immer wieder zum Tränenlachen. Seine uneitle Offenheit, seine unkomplizierte Ehrlichkeit und sein respektvolles Zuhören zogen mich an. Der Umgang zwischen ihm und Peter Handke ließ mich damals sofort erkennen, dass sich Freunde begegneten, die auf Augenhöhe miteinander ulken, sich austauschen, streiten und schweigen konnten.
Leipzig war der Beginn einer über die Jahre wachsenden und sich vertiefenden Freundschaft, begleitet auch von vielen Familienurlauben bei ihm in Salzburg. Dort bekam meine noch kein Jahr alte Tochter Lucie ihr erstes von Zlatko zubereitetes und gegrilltes Ćevapčići in die kleine Hand gedrückt, an dem sie genüsslich kaute. Hinzu kamen viele Verabredungen in der Balkanregion, einschließlich einer intensiven Jugoslawien-Durchquerung mit Handke während des NATO-Krieges 1999.

