Der Kosovo-Zyklus

Der Kosovo-Zyklus ist der bekannteste und ergreifendste Teil der serbischen epischen Volksdichtung. Diese Lieder besingen die Schlacht auf dem Amselfeld (Kosovo Feld) (1389) sowie die dramatischen Ereignisse, die ihr vorausgehen und folgen. Zentrale Themen sind Heldenmut, Opferbereitschaft und Verrat, während historische Gestalten wie Fürst Lazar, Miloš Obilić, Vuk Branković und die Mutter der Jugović-Brüder zu Symbolen nationaler Tragödie und geistiger Stärke werden.
Der Zyklus entstand über Jahrhunderte hinweg durch mündliche Überlieferung in einem Volk, das sich durch das Erzählen dieser Geschichten an die Heldentaten zur Zeit des Untergangs seines Staates erinnerte. Die Lieder folgen nicht wörtlich den historischen Fakten, sondern formen durch poetische Vision und mythologische Tiefe eine kollektive Identität.
Die bekanntesten Lieder des Zyklus:
Der Tod der Mutter der Jugović
Fürstens Abendmahl
Der Untergang des serbischen Reiches
Das Mädchen vom Amselfeld
Zar Lazar und Kaiserin Milica
Die Schlacht auf dem Amselfeld
Diese Lieder bilden das Fundament der serbischen mündlichen Literatur und sind ein bedeutender Bestandteil des kulturellen Erbes. Ihre starke Symbolik und emotionale Kraft inspirieren auch heute noch Leser, Künstler und Forscher.
Quellen:
Jovan Deretić – Geschichte der serbischen Literatur, Prosveta Verlag
Vuk Stefanović Karadžić – Serbische Volkslieder, Wien, 1824–1864
