Branislav Nušić
1864 - 1938

Branislav Nušić

Literarische Epoche: Realismus

Branislav Nušić war ein serbischer Schriftsteller, Komödiendichter, Satiriker und einer der bedeutendsten Dramatiker. Er wurde in Belgrad geboren und erhielt seine Ausbildung in Belgrad und Graz.

Über den Autor

Branislav Nušić, geboren am 20. Oktober 1864 in Belgrad unter dem Namen Alkibijad Nuša, stammte aus einer aromunisch-griechischen Familie und nahm später den Namen Branislav Nušić an. Er war ein serbischer Schriftsteller, Komödiendichter, Satiriker und einer der bedeutendsten Dramatiker. Nušić studierte in Belgrad und Graz und arbeitete als Journalist, Diplomat, Dramaturg und Theaterleiter. Sein literarisches Werk umfasst Romane, Erzählungen und Reiseberichte, am bekanntesten ist er jedoch für seine Komödien, in denen er menschliche Schwächen, gesellschaftliche Missstände und Bürokratie meisterhaft darstellte.

Er studierte Jura in Belgrad und Graz, doch das Leben zog ihn stärker an als die Gesetze. Schon als junger Mann schrieb er seine erste Komödie – „Der Abgeordnete“ („Narodni poslanik“) – in der er sich über den politischen Ehrgeiz und die Eitelkeit machthungriger Menschen lustig machte. Das Stück musste dreizehn Jahre warten, bevor es auf die Bühne kam. Noch länger warten musste „Das verdächtige Gesicht“ („Sumnjivo lice“) – sein bekanntestes Werk, denn die Behörden erkannten darin zu viel Wirklichkeit.

Ein satirisches, witziges Gedicht brachte ihn ins Gefängnis – er hatte König Milan Obrenović beleidigt. Nach der Haft trat Nušić in den diplomatischen Dienst ein und wurde in Gebiete entsandt, die damals noch unter türkischer Herrschaft standen: Bitolj, Serres, Thessaloniki, Skopje, Priština. Zehn Jahre Dienst unter verschiedensten Menschen prägten seinen Blick auf die Welt – er lernte, dass das Lachen oft der einzige Weg ist, zu überleben.

Nach seiner Rückkehr nach Serbien wurde er Dramaturg und stellvertretender Direktor des Nationaltheaters in Belgrad, später Direktor der Theater in Novi Sad und Sarajevo, Organisator des Theaterlebens in Skopje und Bibliothekar der Nationalversammlung. Er war ein unermüdlicher Arbeiter und ein Mann, der das Theater bis in seine feinsten Details verstand – von der Bühne bis zur Politik.

Während des Ersten Weltkriegs teilte er das Leid seines Volkes, verlor seinen einzigen Sohn und damit einen Teil der Heiterkeit, die ihn durchs Leben getragen hatte. Nach der Emigration kehrte er gebrochen zurück – doch blieb er vital, witzig und dem Schreiben treu. In seinen späten Jahren schuf er keine neuen Werke mehr, doch er blieb das Sinnbild des serbischen Komödienschriftstellers – eines Menschen, der alle Schwächen der Gesellschaft sieht, aber darüber lacht, statt zu verzweifeln.

In seinen Komödien – von „Der Abgeordnete“, „Das verdächtige Gesicht“ und „Die Frau des Ministers“ bis zu „Die trauernde Familie“ und „Der Verstorbene“ – erkannte Serbien sich selbst wieder. Sein Lachen war zugleich Warnung und Trost. Diese Werke werden noch heute häufig aufgeführt, weil ihr Humor und ihre Gesellschaftskritik zeitlos sind.

Als Bestätigung seiner internationalen Anerkennung und Bedeutung als Schriftsteller erhielt Branislav Nušić 1924 Glückwünsche von angesehenen Persönlichkeiten wie Max Halbe, Roberto Bracco, Gerhart Hauptmann und Thomas Mann.

Deutsche Übersetzungen

  • Auf uferloser See, 1903
  • Um hohen Preis! Ein bürgerlich Trauerspiel, übersetzt und für die deutsche Bühne bearb. von Friedrich S. Krauss, 1904
  • Die Hajduken (Hajduci), 1965
  • Der tollwütige Teofilo, 1985

Der Roman Der Knabe mit den 13 Vaetern (1927) von Roda Roda basiert auf Nušićs Roman "Opštinsko dete" ("Gemeinschaftskind").

Nušićs Lachen – zwischen Satire und Verständnis

Branislav Nušić brachte in die serbische Literatur eine einzigartige Form der Komödie – eine, die sich nicht auf Spott gründet, sondern auf Verständnis. Sein Lachen ist nicht giftig, sondern heilend. Jovan Deretić schreibt, dass Nušić – im Gegensatz zu vielen Satirikern – nicht darauf abzielte, sich über die Gesellschaft zu erheben, um sie zu verspotten, sondern sie mit Heiterkeit und Wärme zu spiegeln und zu entlarven. „Ich bin ein Humorist, kein Satiriker“, sagte Nušić selbst und wusste, dass seine Waffe die Ironie mit einem Lächeln war – nicht der Spott mit Verachtung.

Deretić betont, dass Nušić keinen einzigen Vorbild hatte, wie Sterija es in Molière fand. Unter den ausländischen Autoren war ihm Gogol am nächsten, besonders in der Art, wie er menschliche Schwächen betrachtete. In Das verdächtige Gesicht (Sumnjivo lice) ist der Geist von Gogols Der Revisor spürbar, doch Nušić folgt nicht dem Weg der Groteske und des dunklen Humors – er bleibt auf der Seite der Leichtigkeit und der menschlichen Komik. Seine Welt ist nicht düster, sondern komisch; seine Figuren sind nicht böse, sondern nur auf liebenswerte Weise unvollkommen.

Dem Wesen nach war Nušić ein Komödienschriftsteller des Alltags. In seinen Werken erkennt Deretić eine reiche Galerie von Typen: Politiker ohne Ideale, Beamte voller Eitelkeit, Kleinbürger besessen von Ansehen und Ruhm. Obwohl er sie entlarvt, moralisiert er nicht – er zeigt, wie Menschen, getrieben von kleinen Leidenschaften und lächerlichen Träumen, in Situationen geraten, die zugleich komisch und wahrhaftig sind.

Die Welt seiner Komödien verbindet das Familiäre und das Gesellschaftliche. In Der Abgeordnete (Narodni poslanik) verschwimmen die Grenzen zwischen Politik und Haushalt – Kandidaten leben unter einem Dach mit Schwiegervätern, Schwiegersöhnen und Töchtern, und der Wahlkampf wird zum Familienzwist. In Das verdächtige Gesicht wächst der Humor aus Verwechslung und Misstrauen, doch hinter der Komik steht ein ernstes Thema – die Angst der Behörden vor der Wahrheit und die Parodie der bürokratischen Dummheit.

Deretić zeigt, dass Nušićs beste Komödien die aus seiner reifen Schaffenszeit sind: Die Frau des Ministers (Gospođa ministarka), Die trauernde Familie (Ožalošćena porodica) und Der Verstorbene (Pokojnik). In ihnen ist der Humor tiefer, aber auch melancholischer. Die Frau des Ministers zeigt Živka, eine gewöhnliche Frau, die durch die Machtstellung ihres Mannes komisch wird – ihr Stolz, ihre Übertreibungen und ihr blinder Glaube an gesellschaftlichen Glanz spiegeln das Wesen des Kleinbürgertums. Die trauernde Familie ist eine kollektive Komödie der Habgier, während Der Verstorbene bereits einen ernsteren Ton anschlägt – eine tragische Farce über Moral und Doppelmoral der neuen kapitalistischen Welt.

Nušićs komische Welt ruht auf drei Säulen: Lachen, Charakter und Situation. Sein Humor umfasst alle Formen – vom kleinen Wortwitz bis zur gesellschaftlichen Satire, vom Kalauer bis zur komischen Lebensphilosophie. Seine Komödien sind keine bloßen „Scherze“, sondern ein gesellschaftliches Mikrokosmos, in dem sich Moral, Familie, Macht und Geld unauflöslich vermischen.

In Deretićs Deutung ist Nušić der Erbe von Sterija und Trifković, doch er hat sie in vielem übertroffen. Von Sterija übernahm er die bürgerliche Komödie und die Gesellschaftskritik, von Trifković die Wärme und Lebendigkeit, und selbst fügte er etwas hinzu, was keiner vor ihm besaß – eine Heiterkeit, die nicht richtet, sondern versteht. Sein Lachen trennt die Menschen nicht von ihren Fehlern, sondern versöhnt sie mit ihnen.

Darum ist Nušićs Werk mehr als Literatur: Es ist ein Spiegel seiner Epoche, in der sich die Serben zum ersten Mal als modernes Volk erkannten. Seine Komödien bringen uns auch heute zum Lachen – doch dieses Lachen trägt dieselbe stille Ernsthaftigkeit in sich, die sagt: So absurd das Leben auch sein mag, es bleibt immer Platz für Humor.

Bedeutung und Vermächtnis von Branislav Nušić

Branislav Nušić ist die Säule der serbischen Komödie – ihr Fundament und ihr Höhepunkt. Vor ihm hatte das serbische Theater seine Begründer – Sterija Popović und Trifković – doch erst mit Nušić erhielt es einen lebendigen, modernen und dauerhaft erkennbaren Ausdruck. Er brachte die Komödie in den Alltag, ins Haus, auf die Straße, ins Büro, und gab ihr die Sprache, den Rhythmus und die Seele des Volkes.

Deretić schreibt, dass mit Nušić ein großes Kapitel der serbischen realistischen Dramatik zu Ende geht, zugleich aber ein neues beginnt – eines, in dem das Lachen zur Hauptform des Denkens und Verstehens der Gesellschaft wird. Nušićs Humor ist nicht bloß Unterhaltung, sondern eine Form gesellschaftlichen Bewusstseins: Er zeigt, wie das Volk sich selbst sieht – mit all seinen Schwächen, Irrtümern und Träumen.

Seine Komödie ist aus dem Volksgeist erwachsen, aber zugleich europäisch in ihrer Weite des Blicks und in ihrer dramatischen Meisterschaft. In ihr verbinden sich Elemente von Gogols groteskem Lachen, Molières Gesellschaftskritik und Sterijas moralischer Sorge – alles durchdrungen von der Wärme des typisch balkanesischen Menschen, der selbst im Unglück zu lächeln vermag.

Im Unterschied zu Sterija, der ein Lehrer des Volkes war, und Trifković, der es verstand, wurde Nušić zu seinem Zeugen und Chronisten. Er wollte die Menschen nicht verändern, sondern sie durch Lachen erhellen – zeigen, dass jede Schwäche menschlich sein kann, solange sie sich nicht hinter Heuchelei verbirgt.

Auch nach einem Jahrhundert bleiben seine Komödien ebenso frisch, weil sie auf den bleibenden Grundlagen menschlichen Verhaltens beruhen: Eitelkeit, Habgier, Machtstreben, Snobismus und dem Bedürfnis nach Anerkennung. Diese Welt ist nicht verschwunden – sie trägt nur andere Kleider und arbeitet in modernen Büros. Deshalb altert Nušić nicht.

Deretić betont, dass – wie bei keinem anderen unserer Schriftsteller – Nušićs Komödien auch heute noch auf der Bühne und im Volk lebendig sind. Gerade diese Langlebigkeit seines Humors zeugt von seinem Platz in der serbischen Kultur: Er war nicht nur ein Chronist seiner Zeit, sondern ein Schriftsteller, dessen Werk zu einem bleibenden Ausdruck des Volksgeistes geworden ist.

Quelle:

Jovan Deretić, Geschichte der serbischen Literatur, Belgrad: Nolit, 1983.

Bearbeitet von: Snežana Lalatović

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