Uroš und die Mrnjavčevićen
Historischer Hintergrund
Nach dem Tod von Zar Dušan im Jahr 1355 fällt das riesige Serbische Reich in die Hände seines jungen Sohnes, Zar Uroš V., der in der Geschichte als Uroš der Schwache bekannt geblieben ist. Er bestieg den Thron im Alter von etwa fünfzehn Jahren, ohne genügend Erfahrung und ohne die starke Unterstützung des Adels.
Zur selben Zeit steigt die mächtige Adelsfamilie der Mrnjavčević rasch auf, mit Vukašin an der Spitze. Vukašin wird um 1365 zum König und Mitregenten Uroš’ erhoben – ein Präzedenzfall und ein Zeichen einer tiefen politischen Krise.In der volkstümlichen Überlieferung wurde dies später als Usurpation der kaiserlichen Macht und als Beginn des Zerfalls des Reiches gedeutet.
Kopie eines Freskos aus der Nikolauskirche in Psača, das Kaiser Stefan Uroš V. und König Vukašin darstellt.
Das Reich zerfällt in Herrschaftsgebiete lokaler Fürsten, und innere Zwistigkeiten, Konflikte und die Ambitionen der Großen führen schließlich zur Niederlage an der Maritza im Jahr 1371, bei der Vukašin und sein Bruder Uglješa fallen. Nicht lange danach stirbt auch Zar Uroš.
Hintergrund und Bedeutung des Liedes
Das Lied „Uroš i Mrnjavčevići“, das Vuk Karadžić aufgezeichnet hat, folgt den historischen Ereignissen nicht wörtlich, sondern gestaltet sie zu einem moralischen und tragischen Drama um. Das Volk hat in ihm bewahrt:
1. Das Bild des jungen, milden Zaren Uroš
Er erscheint als gutmütig, gerecht und zurückhaltend — ein Herrscher, zu milde für die Härte seiner Zeit. Aus epischer Perspektive trägt er keine Schuld am Untergang; er ist vielmehr ein Opfer des Hochmuts und der Maßlosigkeit der Großen.
2. Die Gestalt Vukašins als Usurpator
Die Mrnjavčević werden im Lied als jene dargestellt, die es wagen, Uroš’ Ehre und Herrschaft anzutasten.
Historisch komplexer, werden sie in der epischen Tradition zu einem Symbol der Großen, die das Reich von innen heraus zerstören.
3. Das Motiv der Zwietracht als Ursache des Untergangs
Im Unterschied zur Geschichte kommt der Untergang im Epos nicht durch die Türken, sondern durch serbische Uneinigkeit, besonders durch Verrat und Machtgier. Das ist die zentrale Lehre des Liedes.
4. Der emotionale Ton: die Klage um das Reich
Das Lied ist eine Klage über die verlorene Ordnung, über eine Zeit, in der das Reich groß war und die Helden einig.
