SANTA MARIA DELLA SALUTE
Einige Augenblicke im Leben von Laza Kostić überschreiten die Grenzen des Alltäglichen – es sind jene, in denen sich das Leben zur Legende erhebt und der Schmerz zur Poesie wird.
Einer solcher Augenblicke war seine Begegnung mit Lenka Dunđerski, einer jungen und außergewöhnlich begabten Frau aus einer angesehenen Familie der Vojvodina. Kostić, damals bereits über fünfzig Jahre alt, verbrachte oft Zeit im Schloss der Familie Dunđerski in Čelarevo, wo zwischen ihm und Lenka eine tiefe geistige Freundschaft entstand.
Sie war fasziniert von seiner Dichtung und seinem Geist, er von ihrer Reinheit und ihrem inneren Licht.
Sich der Alters- und Standesunterschiede bewusst, ließ Kostić nicht zu, dass diese Nähe zu einer Liebe wurde.
In Briefen und Erinnerungen seiner Zeitgenossen blieb die Geschichte erhalten, dass er versuchte, Lenka mit Nikola Tesla zu verheiraten, seinem Freund und Gesprächspartner in geistigen Fragen.
Er glaubte, damit die „reinste Tat seines Lebens“ zu vollbringen – zwei Seelen zu verbinden, die nicht von dieser Welt seien.
Doch das Schicksal war schneller.
Lenka starb unerwartet an Typhus, im Alter von nur 25 Jahren.
Kostić trug diesen Schmerz für immer in sich – und verwandelte ihn in ein Gebet, in Poesie, in Unsterblichkeit.
Jahre später stand er in Venedig vor der Kirche Santa Maria della Salute, der Kirche der Heiligen Maria der Gesundheit, die als Dank nach einer großen Pest errichtet wurde.
In ihrem Weiß und ihrer Stille erkannte er das Bild der Erlösung – den Ort, an dem sich irdische Liebe in Ewigkeit verwandelt.
So entstand das Gedicht „Santa Maria della Salute“ – der ergreifendste und zugleich lichtvollste Moment der serbischen Dichtung.
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Hinweis:
Nach dem Gedicht Santa Maria della Salute wurden ein gleichnamiger Film und eine Fernsehserie gedreht, die die Geschichte von Laza Kostić und Lenka Dunđerski in einem künstlerischen und biografischen Rahmen beleuchten. Im Folgenden finden Sie ein Video dazu.
