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Milan Mladenović
Dichter
Milan Mladenović war Sänger und Gitarrist, aber auch ein Dichter, dessen Verse bis heute über die Musik hinaus weiterleben. Gelesen, zitiert und von Generation zu Generation weitergegeben, sprechen sie noch immer von Erfahrungen, die die Zeit ihrer Entstehung überdauern.
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Milan Mladenović wurde am 21. September 1958 in Zagreb geboren. Seine Kindheit verbrachte er in mehreren Städten des damaligen Jugoslawiens. Nach Zagreb zog die Familie nach Sarajevo, wo er begann, Gitarre zu spielen und den Rock'n'Roll für sich zu entdecken. Im Jahr 1970 übersiedelte die Familie nach Belgrad – die Stadt, mit der sein Name dauerhaft verbunden bleiben sollte.
Ende der 1970er Jahre gründete er seine ersten Bands, darunter Limunovo drvo, aus der später Šarlo Akrobata hervorging – eine der einflussreichsten Gruppen der jugoslawischen New-Wave-Bewegung. Mit dem Album Bistriji ili tuplji čovek biva kad… und ihrer Beteiligung an der Kompilation Paket aranžman wurde Šarlo Akrobata zum Symbol einer neuen Musikergeneration, die den Klang und die Sprache der heimischen Rockszene grundlegend veränderte.

Nach der Auflösung von Šarlo Akrobata gründete Mladenović die Gruppe Katarina II, aus der später Ekatarina Velika hervorging. Im Laufe des folgenden Jahrzehnts entwickelte sich EKV zu einer der bedeutendsten Bands des jugoslawischen Rock. Als Autor des Großteils der Texte und Musik prägte Milan den unverwechselbaren Ausdruck der Gruppe, indem er Rockmusik, Poesie und ein starkes Gespür für die Zeit, in der seine Lieder entstanden, miteinander verband.
Zu Beginn der 1990er Jahre, in der Zeit der Kriege und des Zerfalls Jugoslawiens, stellte er sich öffentlich gegen Nationalismus und Gewalt. Gemeinsam mit Mitgliedern der Gruppen Partibrejkers und Električni orgazam beteiligte er sich am Projekt Rimtutituki. Dessen Lied „Slušaj 'vamo“ mit dem Refrain „Mir, brate, mir“ wurde zu einer der eindrucksvollsten Antikriegsstimmen jener Zeit.
„Mein erster und größter Wunsch wäre es, aufzuwachen und festzustellen, dass das Jahr 1990 ist, und zu sagen: ›Puh, was für einen schrecklichen Traum ich da wohl hatte.‹“
Ende des Jahres 1993 reiste Mladenović nach Brasilien, wo er gemeinsam mit seinem langjährigen Freund und Weggefährten Mitar Subotić Suba das Album Angel's Breath aufnahm. Es war sein letztes großes Projekt und zugleich ein Schritt in eine neue musikalische Richtung, die er nicht mehr weiterentwickeln konnte.
Milan Mladenović starb am 5. November 1994 in Belgrad im Alter von 36 Jahren.
Milan Mladenović zwischen Musik und Poesie
Obwohl Milan Mladenović vor allem als Sänger und Autor der Gruppe Ekatarina Velika bekannt ist, nimmt er auch in der zeitgenössischen serbischen Kultur einen besonderen Platz ein. Seine Texte haben die Grenzen der Rockmusik längst überschritten und leben als Poesie weiter, die Leserinnen und Leser auch außerhalb von Konzertsälen wiedererkennen.
Mladenović schrieb weder über große historische Themen noch bot er einfache Antworten an. Seine Verse handeln von der Stadt, von Vergänglichkeit, Liebe, Angst und Einsamkeit sowie von dem Versuch, in Zeiten der Unsicherheit Menschlichkeit zu bewahren. Gerade deshalb finden seine Lieder und Texte bis heute immer wieder neue Leserinnen und Leser.

Die deutsche Ausgabe Kind aus dem Wasser. Liedtexte (Dete iz vode. Tekstovi pesama) in der Übersetzung von Elvira Veselinović hat diesen Teil seines Schaffens erstmals einem deutschsprachigen Publikum nähergebracht. Sie zeigt, dass Milans Texte auch unabhängig von der Musik gelesen werden können – als Teil eines breiteren poetischen Erbes, das im Raum des ehemaligen Jugoslawiens entstanden ist.

Für deutschsprachige Leserinnen und Leser ist Milan Mladenović nicht nur als musikalische Stimme einer bestimmten Epoche von Bedeutung. Sein Werk eröffnet Einblicke in das kulturelle und gesellschaftliche Leben Jugoslawiens der 1980er Jahre, aber auch in die Erfahrung des Zerfalls des Landes in den 1990er Jahren – eine Entwicklung, die er als Künstler und öffentliche Persönlichkeit offen und konsequent ablehnte und niemals als Normalität akzeptierte.
Vermächtnis
Heute wird der Name Milan Mladenović nicht nur mit der Geschichte des jugoslawischen Rock verbunden, sondern auch mit dem breiteren kulturellen Gedächtnis des Raums des ehemaligen Jugoslawiens. Straßen und öffentliche Orte in mehreren Städten der Region tragen seinen Namen, während die Milan-Mladenović-Stiftung durch ihren Preis, Publikationen und verschiedene Programme weiterhin sein künstlerisches Erbe bewahrt und vermittelt.

In der Nationalbibliothek Serbiens befindet sich das Vermächtnis von Milan Mladenović (Legat Milana Mladenovića), das Manuskripte, Tagebücher, Fotografien, seine persönliche Bibliothek, musikalische Materialien sowie Gegenstände aus seinem Leben umfasst. Diese Sammlung stellt heute eine wichtige Quelle für die Erforschung seines Schaffens, aber auch der Kulturgeschichte einer ganzen Epoche dar.
Mladenovićs Lieder und Texte leben weit über die Generation hinaus weiter, für die sie ursprünglich entstanden. Sie werden bis heute gelesen, zitiert und gehört – nicht nur als Zeugnisse einer vergangenen Zeit, sondern auch als Texte, die Fragen nach Freiheit, Verantwortung, Liebe, Angst und dem Verhältnis des Einzelnen zu der ihn umgebenden Welt stellen.
Chronologie
Milan Mladenović
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1958 — Geburt in Zagreb
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1970 — Umzug nach Belgrad
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1980 — Šarlo Akrobata
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1982 — Katarina II
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1985–1994 — Ekatarina Velika
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1992 — Rimtutituki
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1994 — Angel's Breath
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1994 — Tod in Belgrad
Quellen
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Biografie von Milan Mladenović, Zadužbina Milana Mladenovića
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Милан Младеновић, Wikipedia
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Mladenovic, Milan: Kind aus dem Wasser, Übersetzung von Elvira Veselinović, Leipziger Literaturverlag


