Es kommen zehn Kawasse aus Podgorica vom neuen Wesir, der das Reich bereist, und händigen dem Bischof Danilo ein Schreiben ein. Der Bischof liest es, in Gedanken versunken.VOIVODE BATRIĆSag nur, Bischof, was dir der Wesir schreibt;Wünschen nicht, daß man es uns verhehle,Mag den Türken drob der Kamm auch schwellen. DER BISCHOF (liest das Schreiben im Wortlaut vor)"Selim Wesir, Knecht des Knechts des Heiligen,Sklav dem Bruder ich der Weltensonne,Abgesandt vom Herrscher aller Erden, —Kund sei euch, den Ältsten und dem Bischof,Daß mich ausgesandt der Herr der Herren,Daß ich ihm das ganze Land bereise,Nachzusehn, wie ’s um die Ordnung stehe;Daß sich Wölf’ an Fleisch nicht überfressen,Daß ein Schäflein nicht etwa verfangeSeine Wolle im Gebüsch am Wege;Um zu stutzen, was zu lang geraten,Abzugießen, was schon übervoll ist,Daß der Jugend ich die Zähne prüfe,Daß die Ros’ im Domicht nicht verderbe,Daß die Perle nicht im Mist verkomme,Ich dem Christenvolk die Zügel anzieh’,Ist das Christenvolk wie andres Vieh doch.Und so hört’ ich auch von euern Bergen;Des Propheten heilige FamilieKennt des Heldentums gerechten Wert wohl.Lüge ist’s, wenn man vom Leu behauptet,Daß die Maus er im geringsten fürchte.Auf zu mir denn unter mein Gezelte,Vladika und vornehmste Serdare,Nur daß ihr dem Sultan seid zur Stelle,Um von mir Geschenke zu empfangen,Mögt dann fürder leben so wie bisher. Starke Zähne brechen harte Nuß auch,Guter Säbel haut den Keulenstiel durch,Und wie sollte er nicht einen Krautkopf?Wollte man dem Schilfrohr abgewöhnen,Daß es sich vor dem Orkan nicht neige?Wer vermag die Bäche aufzuhalten,Daß sie nicht zum blauen Meere eilen?Wer heraustritt aus dem hehren Schatten *Des gewaltigen Prophetenbanners,Den versenget blitzesgleich die Sonne.Mit der Faust läßt sich der Stahl nicht strecken.Was die Maus im Kürbis denn Gefangne?Nag am Zügel — brichst dir nur die Zähne!Ohne Blitz ist selbst der Himmel wertlos;Feigem Packe lauert Angst im Blicke.Ist doch wie gemeines Vieh der Pöbel,Frommen Sinns, wenn ihm die Rippen krachen.Weh dem Lande, wenn es Heermacht heimsucht!“ KNEZ JANKOLügt das Krämerlein dir unter Lächeln,Lügt das Weib die Augen voller Tränen,Lügt doch niemand ärger als der Türke. SERDAR JANKOHalten wir nicht hin die Abgesandten,Daß sie ihres Auftrags ledig heimziehnUnd ihr Pascha länger nicht im Zweifel;Gebt Bescheid rasch, daß er sich dran halte! VUK MIĆUNOVIĆSchreib zurück nach bestem Wissen, Bischof,Und acht seiner Ehr wie er der deinen. BISCHOF DANILO schreibt zur Antwort"Von dem Bischof und den StammeshäupternSelim Pascha Gegengruß aufs Schreiben.H arte N uß ist Frucht besondrer Sorte,Brichst sie nicht, doch bricht sie dir die Zähne.Nimmer ist der Wein wie voreinst billig,Nimmer ist die Welt, was sie euch dünkte.Europa dem Bannerträger schenken,Sündhaft wär’ es, auch nur dran zu denken.Groß die Birne, blieb im Halse stecken.Menschenblut ist widerwärtige Nahrung,Seht, es kommt zur Nase euch schon wieder.Übervoll ist eurer Sünden Maß schon,Und der Gurt barst der Prophetenstute;Leopoldens heldengleicher Feldherr,Sobieski und Savoyens Herzog,Sie zerbrachen schon des Dämons Hörner.Gleiches Los ward nimmer vorgezeichnetFür die beiden Brüder gleichen Namens;Vor Wien ist das Flügelroß gestrauchelt,Und der Wagen stürzt’ die Böschung abwärts.Nimmer ziemt den Unmenschen die Herrschaft,Sich damit nur vor der Welt zu schänden.Wilder Sinn und giftige GemütsartZiemt dem wilden Eber, nicht dem Menschen.Wem das Recht beschlossen in der Keule,Unmenschlichkeit zeichnet dessen Spuren.Ich versteh wohl, was du sagen wolltest!Viele Fährten führen bis zur Höhle —Rüste nicht für Gäste aus den Bergen!Auf nichts andres geht nunmehr ihr Trachten,Als die Zähne wetzen für die Nachbarn,Um die H erd’ vor Ungetier zu schirmen.Eng und schmal die Tür zum Bienenstände,Für den Bären ist die Axt geschmiedet.Habt ihr Länder doch genug und Schafe,Plündert die, zieht denen erst das Fell ab!Allerwege stöhnt bei euch das BöseUnter Schlimmerm, Gutes unter Bösem.Ich auch ließ an euerm Seil mich nieder,Um ein Haar war’ es entzweigerissen.Seither sind wir ganz besondre Freunde —Dank euch selbst bin ich hinfür gewitzigt.“ Er schließt den Brief ab und liest ihn allen (Montenegrinern undken) laut vor.
KNEZ ROGANHier das Schreiben, und nun auf die Beine;Gebt es ihm, daß er sich dran ergötze! Die Abgesandten des Wesirs brechen mißgelaunt auf.Übersetzung: A. Schmaus